Du bist genug. Selbstwert vs. Selbst-Mitgefühl

Wir alle sehnen uns danach, das bisschen mehr an Selbstbewusstsein zu haben, das bisschen attraktiver zu sein, das bisschen reicher zu sein. Und hoffen, dass wir dann zufrieden sind. Aber das ist unwahrscheinlich. Es gibt einen besseren Weg.

Die Falle Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl

In den letzten Jahren gab es einen großen Hype um das Thema Selbstbewusstsein. Wie man davon mehr bekommt und was das für einen für einen Unterschied macht.

Kürzlich habe ich ein tolles Video von Kristen Neff gesehen, sie spricht darüber, was die Forschung dazu sagt. Und es ist ganz klar, ein niedriges Selbstwertgefühl hat starke negative Auswirkungen auf unser Leben. Aber ein überzogenes Selbstwertgefühl ist auch problematisch.

Mit einem übersteigertem Selbstwertgefühl sehen wir uns selbst auch nicht mehr klar. Wir verlieren den Bezug zu unserer Realität und das ist auch gefährlich.

Wie man Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl bekommt

Hier gibt es zwei unterschiedliche Wege. Ein nicht so galanter ist, dass man sich mit anderen vergleicht und versucht besser zu sein als sie. Das kann man prima tun indem man andere abwertet und sich als besser darstellt. Das ist das Prinzip des Narzissmus und das ist problematisch, weil: Es ist unglaublich schwierig authentische Beziehungen aufzubauen, wo man sich gegenseitig unterstützt, wenn der andere nur dazu da ist, das eigenen Selbstwertgefühl zu stützen.

Es gibt einen besseren Weg seinen Selbstwert zu steigern: Erfahrungen zu machen, wo man sieht, dass man Fortschritt macht. Erfolge können einen Boost im Selbstwertgefühl geben. Hier ist zu beachten, dass man gerade die kleinen Dinge schätzen kann. Denn wenn man nur große Erfolge feiert, dann ist das nicht beständig, das Leben besteht nicht immer aus großen Erfolgen. Wenn man dagegen jeden Tag etwas feiern kann, dann kann man sehr viel Selbstvertrauen aufbauen. Dafür helfen so Dinge wie Dankbarkeits-Tagebücher, wo man jeden Tag aufschreibt, was man gut geschafft hat.

Wenn Selbstwert nicht funktioniert

Es gibt jedoch ein Problem. Was mache ich, wenn ich eine Niederlage erleide? Dann geht der Selbstwert rapide nach unten. Man könnte weiter versuchen, sich auf die kleinen Erfolge zu konzentrieren, aber was dann häufig passiert ist, dass man den Schmerz verdrängt und er größer wird.

Was mache ich, wenn ich mich sch**ße fühle? Was mache ich, wenn alles schief geht? Wenn ich eine Niederlage erleide? Dann bricht das Selbstvertrauen ein. Selbstvertrauen ist dann kein hilfreiches Konzept.

Was dann hilft

Und genau da setzt Selbst-Mitgefühl ein. Selbst-Mitgefühl ist eine konstante Fürsorge für sich selbst, hat viele der gleichen psychischen Vorteile von Selbst-Bewusstsein, aber ohne die negativen Auswirkungen. Das wird ganz deutlich sichtbar, wenn es gerade schwierig wird:

Wie Selbst-Mitgefühl funktioniert

Einen hohen Selbstwert zu entwickeln macht man meist davon abhängig, dass etwas gut läuft. Und das kann dazu führen, dass das ganze Leben toll sein muss. Und das kann einen enormen Druck erzeugen.

Selbst-Mitgefühl funktioniert komplett anders. Es setzt nämlich genau da an, wo Dinge nicht funktionieren. Und mal ehrlich, dass was wir Menschen alle teilen ist doch, dass wir nicht perfekt sind.

Wenn wir auf einen hohen Selbstwert setzen, dann werden wir versuchen Schwieriges zu ignorieren oder uns dagegen zu stellen. Das ist nicht hilfreich, denn:

Leiden = Schmerz x Widerstand

Je mehr wir uns dagegen stellen, desto größer wird der Schmerz. Eine wichtige Unterscheidung ist, dass wir uns nicht Mitgefühl geben um uns besser zu fühlen. Wir geben uns Mitgefühl, weil wir uns schlecht fühlen. Selbst-Mitgefühl lässt nicht unbedingt den Schmerz verschwinden, aber es macht uns stärker, so dass wir damit gut leben können. Selbst-Mitgefühl muss nie die Realität anders machen, als sie ist, es öffnet nur unser Herz gegenüber der Realität. Und dann kann man in guten und in schlechten Zeiten gut leben. Man wird reifer an den schwierigen Erfahrungen. Und man kann tiefe Verbindungen zu anderen aufbauen. Weil man die schwierigen und die guten Zeiten aufrichtig teilen kann.

Was sind deine Erfahrungen? Welche Auswirkungen haben Erfolge und Misserfolge? Ich bin gespannt in den Kommentaren davon zu hören…

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